Das Buch

Geboren wurde ich im Jahre als Flavius Arcadius und Flavius Honorius Konsulen waren ab urbe condita MCXLVII (1147) Gestorben und von meiner Fylgja Alwit zur Hel geleitet nach der großen Schlacht auf den Campi Catalauni.

8 Geboren am 26.02.394, gestorben am 08.01.452 (Im Alten Futhark geschrieben)
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Es entstand der Urriese Ymir[1], der „Lärmer“. Es entstand der Wane Njördr[2], der „Zweitälteste“. Es entstanden die Asen Odin, Vé und Vili. Alle gesäugt von „Audhumbla[3]“ Sie töteten Ymir und bauten aus ihm die Welt: Aus seinem Fleisch wurde die Erde, aus seinem Blut das Meer, aus seinen Knochen Felsen und Gebirge, aus seinem Haar die Bäume, aus seinen Augenbrauen Midgard, aus seinem Schädel der Himmel und aus seinem Gehirn die Wolken[4].

Das älteste Geschlecht ist das der Riesen, zu denen praktisch alle naturgewaltigen Wesen gehören. Die Riesen hatten die Macht, die Welt zu vernichten. Damit dies nicht passierte, wurden die Wanen geschaffen. Sie waren weise, mutig und gerecht. Sie hielten alles im Gleichgewicht. Die Wanen lebten ewig, sofern sie nicht durch Gewalt umkamen. Doch sie waren keine Kämpfer und daher unfähig, sich der Riesen zu erwehren. Also wurden die Asen geschaffen. Ein kräftiges, aber auch übermütiges Kriegergeschlecht, dem aus wohl überlegten Grund nur begrenzte Macht gegeben wurde. Trotzdem griffen sie nach der Herrschaft und entfachten den Krieg mit den Wanen. Aber als die Asen merkten, dass sie nur durch die Wanen ihr Leben verlängern konnten, schlossen sie mit ihnen einen Bund; für die restliche Ewigkeit, wie sie dachten. Doch sie wussten es besser: Am Ende erfüllt sich das Schicksal aller Götter und auch der Menschen im Ragnarök[5].

[1] Vfm 31
[2] Grm 43
[3] Gylfaginning 5 f. „Die Milchreiche“ Urkuh
[4] Gylfaginning 8
[5] Vsp 44-66

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Kapitel I Der Kohlenwald

Es war ein unbeschreibliches Gedränge. Von überall strömten Menschen auf diese einzige Brücke zu. Schon den ganzen Tag ging das so[1]. Seit dem frühen Morgen waren immer wieder kleine und große Gruppen an uns vorbei geilt und im Nu wieder verschwunden. Den ganzen Tag über waren es immer mehr geworden, je näher wir kamen. Ich hatte noch nie so viele Menschen auf einen Haufen gesehen. Bisher dachte ich immer, mehr Menschen, als bei der Hochzeit meines in Seeland berühmten Onkels könne es garnicht geben. Aber ich war noch jung. Was wusste ich schon. Vater meinte, gut, dass der Boden gefroren sei. Alles wäre sonst sicherlich im Matsch dieser vielen tausend Tritte versunken. Aber noch konnten wir die Brücke gar nicht sehen, obwohl sie eine knappe halbe Meile[2] lang sein sollte. 21 mächtige Pfeiler aus festem Stein. Jeder Pfeiler so groß wie ein Haus. Alle flussaufwärts mit einem riesigen spitzen über eine Pertica[3] langen Keil gegen die Flussströmung gerichtet. Darüber eine vier Pertica[4] breite Straße aus Holzplanken. 

Und all‘ die vielen Männer, Frauen und Kinder drängten darauf zu. Vater sagte, es müssen Tausende sein. Die klirrende Frostnacht war voll von verwirrenden Stimmen, Knarren und Getrampel. Es klang irgendwie so wie das tief grollende Dröhnen an den Steilklippen Seelands, wenn in den Winternächten die See dagegen anbrandete. Es roch nach Menschen und Tieren; nach Urin und Schweiß. Grimmig ertrugen alle die Kälte und ihre Furcht. Vater erklärte mir die vielen unterschiedlichen Stämme: Chatturier, Brukterer, Amsivarier und Salier. Aber besonders viele Vandalen, die man noch in die Unterstämme der Hasdingen und Silingen unterteilt. Dann viele Sueben, Quaden und selbst iranische Alanen. Und Franken, Burgunder und Alemannen. Den Göttern sei Dank waren es so viele Stämme, sagte Vater, denn so würden wir zwei Sachsen in diesem Wust von unterschiedlichsten Menschen gar nicht auffallen.

Immer wieder mussten wir Platz machen für kleinere und größere Reitergruppen, die rücksichtslos mit einem herrischen „Platz da“ an uns vorbeipreschten. Wieder kam eine Gruppe von knapp zwei Dutzend Reitern heran. Prächtig gekleidet saßen sie auf kostbar geschmückten Pferden. Ein noch junger Herr ritt an ihrer Spitze. Er fiel mir sofort auf. Unter seinem römischen, roten Offiziersmantel trug er einen prächtigen Brustpanzer mit vielen Verzierungen. An der Seite hängte am Gürtel eine große Wurfaxt, eine Franziska. Dadurch und durch die Tatsache, dass er sein langes, gelocktes, blondes Haar offen trug, machte er allen klar, dass er ein Heermeister im Frankenverbund[5] sein musste. Seine Begleiter waren fast ebenso 

[1] 31.12.406 = Wieland ist 12 Jahre alt
[2] 1 römische Meile = 1.482m; hier ca. 600m
[3] 1 Pertica = 2,96m
[4] 4 Pertica = ca. 12m
[5] Mero, geb. 369, gest. 428, der Ahnherr der Merowinger, die aber erst im 7. Jahrhundert n. Chr. durch die Fredegar-Chronik so genannt wurden.

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ehrfurchtgebietend wie er. Trotz des entsetzlichen Gedränges schafften sie es, zügig voranzukommen. Die Menge machte ihnen, obschon müde, ausgehungert und frierend, bereitwillig Platz. Wie konnte ich ahnen, dass er mir und ich ihm noch so viel Leid zufügen würde. Schnell waren sie auf dem Weg zur Brücke wieder in der Masse verschwunden. Und schon kamen wieder Reiter. Diesmal waren es weit mehr, wohl fast um die hundert Reiter, die donnernd heranpreschten. Ein tiefes Grollen, dann ein schnell ansteigendes Knallen und Trommeln von Pferdehufen. Ich bekam es mit der Angst zu tun und klammerte mich an meinen Vater. Der nahm mich sofort ab vom Weg. Schon war die Reiterschar heran und stieß die Leute mit fürchterlichem Geschrei auseinander. Diese Männer waren nicht königlich gekleidet; sie waren verdreckt, einige sogar verletzt. Die Pferde schwitzten entsetzlich. Aber auch sie waren so schnell wie sie kamen, wieder vorüber. Aus der Ferne sah ich, wie sogar ein paar Menschen in den eisigen Fluss fielen, als die Reiter, die nicht schnell genug über die Brücke kamen, sie einfach zur Seite drängten.

Am Aufgang zur Brücke selbst war das Gedränge schier unerträglich. Mein Vater, ein wirklich stämmiger, großgewachsener Mann, musste sich kräftig mit den Armen durchzwängen. Und doch schienen wir wie von unsichtbarer Hand als ganzer Menschenhaufen mal hierhin, mal dorthin geschoben zu werden. Mal ging es ruckartig vorwärts, dann gar nicht. Menschen schrien irgendwo. Flüche waren überall zu hören. Wenn jetzt bloß nicht wieder eine Reitertruppe kommt, dachte ich ängstlich. Doch nachdem wir erst einmal auf der Brücke waren, ging es ein wenig besser. Am anderen Flussufer war das große Stadttor zu sehen. Es hob sich schwarz gegen den blutroten Himmel ab. Mogontiacum[1] brannte. Als wir uns dem Tor näherten, wurde es noch lauter. Schreie waren zu hören. Und immer mehr heulende, wimmernde Menschen begegneten uns. In der Stadt verwandelte sich alles immer mehr in ein Chaos. Mein Vater brüllte mich ständig an, dicht bei ihm zu bleiben, seine Hand bloß nicht loszulassen. Tote lagen in Hauseingängen. Manche lagen nur da und stöhnten. Einen sah ich, der schaute ständig auf seinen abgehackten Armstumpf, aus dem das schwarze Blut im Sekundentakt wie aus einer winzigen Pumpe herauskam. Taumelnd eilten wir durch diese riesigen Häuserschluchten. Alle aus Stein! Sogar die Straßen waren aus Stein. Schließlich wurde es ruhiger, geordneter. Ein Pulk Bewaffneter begegnete uns, als wir durch das Tor die Stadt verlassen wollten. Blutverschmiert, johlend. Einer sagte: „Denen haben wir´s gegeben, diesen erbärmlich jammernden Römerchristen“. Ganz wirr wurde mir im Kopf. Was meinte er? Dann sahen wir es. Links von uns war eine Art Tempel (später sagte mir mein Vater, es sei eine „Kirche“, was auch immer das ist); und ich konnte kurz einen Blick in das Innere werfen. Im Schein eines Feuers sah man einen waren Haufen von Frauen, Alten und Kindern. Teilweise nackt. Aber sicherlich alle tot. Ein riesiger, in Stücke gehauener Klumpen aus Stoff und Fleisch. Mein Vater zog mich weg. „Weiter, los“, fauchte er mich an.

[1] Mogontiacum lat. = Mainz

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Von Mogontiacum aus ging es sechs Tage über Bingium[1] weiter über diese unglaubliche Römerstraße bis zur Kaiserstadt Augusta Treverorum.[2] Eine Strecke von etwas über 100 römischen Meilen[3] Wir überquerten den nebelverhüllten Fluss der raschen Navam[4] und bewunderten auch die neuen Mauern, die das alte Vinco[5] umgaben. Dort begann unser einsame Weg durch waldige Wildnis, nirgends sahen wir auch nur die Spur von menschlichem Anbau, gingen vorbei am trockenen Dumnissus[6], das ringsum lechzende Felder umgeben, auch an Tabernae, das ständig fließendes Wasser besitzt, und der Flur, die man jüngst sarmatischen Siedlern zumaß. Endlich erblickten wir gleich an der Grenze von Germania Superior und Gallia Belgica Prima Noviomagus[7], wo wir eine Nacht rasteten. Danach ging es den Fluss Mosella[8] stromaufwärts bis Treves, was eigentlich Augusta Treverorum hieß.

War ich schon von Mogontiacum fasziniert gewesen, so fand ich das riesige Augusta Treverorum einfach umwerfend. Schon von weitem kann man das riesige fünfstöckige Stadttor sehen. Über 80.000 Menschen lebten hier noch vor wenigen Jahren! Aber dann war der römische Kaiser nach Süden abgezogen und Vater sagte etwas komisch: „Das „zweite Rom“ verblasse nun stetig.“

Wir verließen die ehemalige Kaiserstadt wieder durch die „Porta Inclyta“ und überquerten die Mosella. Von dort zogen wir nach Norden. Nach ungefähr 18 Meilen kamen wir in einen kleinen Ort namens Beda Vicus.[9] Mein Vater beschloss, dort die Straße zu verlassen und sich alleine nach Aquae Granni[10] durchzuschlagen, da es ihm auf der Straße zu unsicher wurde. Viel zu viele Menschen seien unterwegs, sagte er. Und die meisten würden nichts Gutes im Schilde führen. Es muss wohl ein Anflug von grobem Leichtsinn gewesen sein. Schon beim ersten Nachtlager hatte ich das Gefühl, Vater hätte sich verirrt. Natürlich sagte ich nichts. Er hätte mich ohnehin nur wütend ausgeschimpft. Aber als er im Verlauf des nächsten Tages immer öfter fluchte und tobte, war es offensichtlich. Ohne Orientierung irrten wir umher, bis wir an einen größeren Fluss kamen. Mein Vater meinte, nach der Beschreibung, die man uns in Beda Vicus gegeben hatte, müsste dies der Fluss Mosa sein. Ich zuckte nur mit den Schultern. Was hätte ich Knirps auch schon sagen sollen, ohne dass er mir sofort eine deftige Ohrfeige gegeben hätte. So folgten wir dem Strom flussabwärts bis wir endlich beidseits des Flusses zwei mächtige Kastelle der

[1] Bingium lat. = Bingen am Rhein
[2] Augusta Treverorum lat. = Trier
[3] 1 römische Meile = 1.482 m; hier also 150 km
[4] Navam lat. = Nahe; aus Ausonius Mosella Zeile 1 ff.
[5] Vinco lat. =Bingen am Rhein
[6] Dumnissus lat. = Kirchberg
[7] Noviumagus lat. = Neumagen an der Mosel
[8] Mosella lat. = Mosel
[9] Beda Vicus lat. = Bitburg
[10] Aquae Granni lat. = Aachen

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Römer erblickten. Zwischen den Kastellen ragte eine prächtige steinerne Brücke über den Fluss. Es war Traiectum ad Mosam[1]. Dort fragten wir nach dem Schmied Mimir. Und nur mit viel Glück entkamen wir dem Unheil. Denn da wir beide die Reichssprache Latein nicht sprachen, waren wir einfach in das erstbeste Gasthaus gegangen in der Hoffnung, dass man dort unser Nordgermanisch verstehen würde. So fragten wir den Wirt nach dem berühmten Schmied. er unterbrach uns sofort lautstark mit vielen Worten in Latein und führte er uns in einen Nebenraum. Dort gebot er uns mit leisen Worten auf Nordgermanisch zwischen seinem lautstarken lateinischen Geschimpfe, endlich ruhig zu sein, wenn uns unser Leben lieb sei. Und den Göttern sei Dank, es hatte außer ihm keiner unser Nordgermanisch verstanden, schien es. Aber woher sollten wir wissen, das kurz zuvor der neu Herrscher, ein gewisser Mero, hier ganz in der Nähe bei Aduatuca Tungrorum[2] den König dieses Landes erschlagen und sich selbst zum König gemacht hatte. Dieser neue König, so erzählte uns der Wirt, ließ überall nach dem „berühmten Schmied“ suchen. Und sicherlich hatte er keine guten Absichten, so wurde getuschelt. Schließlich erzählte uns der Wirt, der tatsächlich prächtig Nordgermanisch sprach, dass er gehört habe, der Schmied sei nach Westen geflohen. Mehr wisse er auch nicht. Aber vielleicht könne uns sein Vetter in Geminiacum[3] weiterhelfen. "Das ist ja eine großartige Hilfe", sagte mein Vater, aber der Wirt fing an zu fluchen und redete was von grober Undankbarkeit und gab meinem Vater unmissverständlich zu verstehen, dass wir nur eine Nacht und nur gegen viel Geld bleiben könnten. Erst, als er das Goldstück, einen Solidus[4], in der Hand meines Vaters aufblitzen sah, beruhigte er sich und führte uns in eine großzügige Kammer im ersten Stock. Er stritt sich lange mit dem Wirt, der darauf bestand, dass wir ein Bad nach Römersitte nehmen müssten, ansonsten würde er uns „dreckigen Nordmänner“ in keins seiner guten Betten lassen. Nach langem hin und her brachte er uns schließlich selbst zur Therme und war ständig fluchend an unserer Seite. Mir war das höchst peinlich, aber Vater, der sich weiter Wortgefechte mit dem Wirt lieferte, schien sich sogar dabei zu amüsieren. Der Wirt war ihm sympathisch. War ich die Tage und Wochen vorher immer von Vaters großem Misstrauen gegenüber den fremden Menschen überrascht gewesen, so war es diesmal dieser grenzenlose Leichtsinn, der mich verwirrte. Aber anscheinend hatte mein Vater eine gute Menschenkenntnis.

[1] Triaectum ad Mosam lat. = Maastricht
[2] Aduatuca Tungrorum lat. = Tongeren
[3] Geminiacum lat. = Gembloux
[4] Solidus lat. = Goldmünze 4,55 g = 1/72 des römischen Pfundes. Die Kaufkraft lag um 400 n.Chr. ungefähr beim Monatslohn eines Facharbeiters. Der Solidus wurde um 309 n. Chr. von Kaiser Konstantin dem Großen als neuer „Aureus Solidus“, als „fester, zuverlässiger Aureus“ eingeführt, da der bisherige Aureus (seit Augustus) massiv an Wert verloren hatte. Von Beginn an war seine Funktion als „Leitwährung“ weit über die römischen Grenzen hinaus bekannt und geachtet. Der Solidus war bis ins 9. Jahrhundert hinein die stabilste Währung in Europa.

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Nach Tagesanbruch und einem guten Frühstück waren wir wieder auf der großen Römerstraße. So zogen wir weiter nach Westen. Am späten Nachmittag kamen wir zum Dorf Geminiacum. Dort suchten wir den Vetter des Wirts auf. Der war nicht schwer zu finden. Er war ebenfalls Wirt und es gab im ganzen Ort nur die eine Schenke. Wir mussten dem Wirt nur das Stichwort „Mimir“ sagen und umgehend führte er uns von der Straße ab nach Norden in den Wald. Es war eigentlich kein Pfad zu erkennen und mir kamen wieder Zweifel, ob wir vielleicht abermals in einen Hinterhalt gelockt werden würden. Doch mein Vater war sichtlich unbekümmert. Er schien sich eher mehr und mehr zu freuen. Woher er diese Sicherheit nahm? Ich hatte keine Ahnung. Weit war dieser sonnenreiche, aber kalte Tag schon fortgeschritten. Ich war müde und fror. Dann endlich öffnete sich der dichte Wald zu einer großen Lichtung. Darauf standen einige Gebäude. Sie waren recht unbeholfen aus Holz gebaut. Es schien, als ob sie erst vor kurzem errichtet worden waren. Der Wirt aus Geminiacum grüßte kurz und ging. Wir waren da.

 

Die Ankunft bei Mimir.

Niemand war zu sehen. Zwar stieg Rauch aus dem Kamin auf, aber es war merkwürdig ruhig. Zu ruhig. Lange Zeit blieben wir wie angewurzelt stehen und lauschten. Im dämmrigen Wald rings herum raschelte es. Dann, plötzlich, kamen zwei bewaffnete Männer mit schnellen Schritten auf uns zu. Ich hatte schreckliche Angst. "Erzähl‘ schnell, warum wir euch nicht auf der Stelle zur Hel[1] schicken sollen." "Ich bringe meinen Sohn zum berühmtesten aller Schmiede, Mimir, damit er die Schmiedekunst lernt." antwortete mein Vater. "Und es wäre ein weiter Weg von Seeland im hohen Norden, nur um hier am Ziel unserer Reise noch zwei armselige Bauern niedermachen zu müssen." Sein Schwert flog aus der Scheide und mit einem Satz war er vor mir, um mich zu schützen. Nein, Angst hatte er wirklich nicht, mein Vater. Aber schlechter hätte seine Rede auch nicht sein können, denn sofort wollte der eine mit dem Schwert auf ihn los. "Halt, warte Alberich. Das hört sich so verrückt an, dass es sogar stimmen könnte." Und zu meinem Vater gewandt sagte er: "Entweder bist du ein ziemlicher Einfaltspinsel, dem man vor langer Zeit ein Ammenmärchen aufgetischt hat, oder du bist ein Narr, hier in dieser götterverlassenen schmutzigen Einöde nach einem längst vergessenen und verdammten Schmied zu suchen. Wähle selbst." "Dann sei gegrüßt, Mimir. Euer Ruf ist im Norden stärker denn je." Vater steckte erleichtert das Schwert in die Scheide und griff in den Mantel, zog ein paar Geldstücke heraus. "Die Ausbildung meines Jungen ist sicherlich ein paar Solidi wert, oder?" Wadi blickte zum anderen Mann: "Und auch dich grüße ich als Edelmann. Denn währest du ein Bauer, kaum hättest du so geschickt mit dem Schwerte zu grüßen verstanden. Auch wenn dein Nordgermanisch wie das einen Bauern klingt." Da lachten die beiden Männer. Und mein Vater mit Ihnen. Ich aber machte mir fast in die Hosen. "So genießt für heute Nacht unsere Gastfreundschaft.", sagte der, den mein Vater für Mimir hielt.

[1] Hel lat. = Unterwelt

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